Gold für den Gärtner, Bier für den Läufer 🍻🏅
Wie ich diesen Tag in Hamburg bewältige und in Magdeburg meine Bestzeit auf 10 km laufe.
2013 findet die Internationale Gartenschau statt. Ich bin 29, Außenseiter und habe mit meinem Team eine Goldmedaille und einen Ehrenpreis für eine besondere Gestaltung gewonnen. Also fahre ich stolz zur Preisverleihung nach Hamburg. Statt grüner Latzhose trage ich heute Anzug und – wie meine Tochter sagt – Zaubererschuhe. Haare chic, Creme ins Gesicht. Schlüssel, Handy und ab ins Auto nach Hamburg. Die Zeit ist knapp. Also Vollgas mit meinem Golf. Das Navi sagt, es wird eng bis zur Verleihung in Hamburg. Ich habe etwas Zeit gutgemacht und ein gutes Gefühl – bis mir auf Höhe Hannover etwas auffällt.
Mein Portemonnaie liegt zu Hause. Zum Umdrehen ist es zu spät. In meinem Kopf spielt sich Folgendes ab: Wenn ich weiterfahre, bin ich pünktlich. Ich habe zwar kein Ticket, aber irgendjemand wird mich schon kennen. Zur Preisverleihung bekomme ich Essen und Trinken umsonst. Ich nehme den Preis an, quatsche ein bisschen und fahre dann zurück nach Magdeburg zum Nachtlauf, wo mir noch 10 km bevorstehen. Angemeldet bin ich, bezahlt habe ich auch schon. Also dürfte alles ohne Portemonnaie gehen, denke ich zuversichtlich.
Was ich nicht weiß: Es wird einer der stressigsten Tage meines Lebens.
Ich fahre weiter auf der A6. Baustelle – na toll. Die Uhr tickt weiter. Nur noch 30 Minuten bis zur Veranstaltung. Noch 15 Minuten für 2 km Innenstadt. Ah nein, ich bin nicht links abgebogen! 🤦🏻♂️ Also wenden. Kein Gegenverkehr – das könnte ich schaffen. So, nun etwas mit dem rechten Reifen über den Bordstein, dann bin ich auf Kurs.
Peng‼️ Das ist jetzt nicht wahr. Ein Platten! Ich fahre rechts ran. Der Reifen sieht übel aus. Die Lösung nennt sich Pannenspray und liegt im Kofferraum. Die Bedienungsanleitung ist fragwürdig – genau wie das Ergebnis. Ich stecke also den Pippel auf das Ventil und drücke ab. Wie soll das dicht werden, wenn die ganze Sahne hier überall rausspritzt? Der ADAC? Nur meine Frau ist Mitglied, erfahre ich am Telefon. Also iPhone 4 gezückt. Maps geöffnet. Eine Werkstatt in der Nähe – nur 500 m entfernt, immerhin. Ich fahre also im Schritttempo und hoffe, dass die Alufelgen das aushalten. Geschafft!
„Hallo“, sage ich zum Mechaniker, während auf der IGA bereits die Veranstaltung beginnt. „Ich habe da ein kleines Problem.“ Ich erkläre ihm meinen Schaden und meine Zeitnot. „Junger Mann“, höre ich im gebrochenen Deutsch, „das bekommen wir hin. Geben Sie mir den Schlüssel, und in 10 Minuten sitzen Sie wieder im Auto.“ Ich bin erleichtert und glücklich.
„Junger Mann, wie wollen Sie bezahlen?“ Ups. 🙈 Apple Pay gab es noch nicht. Gab es schon PayPal? Keine Ahnung. EC-Karte, Kreditkarte und Bargeld? Alles in Magdeburg. Ich schildere ihm mein zweites Problem. 💡 „Nutzen Sie Lastschrift?“ – „Ja“, sagt der Mann, während er mit seinen Werkstatthänden auf der Tastatur tippt. „Dafür müssten Sie aber Ihre Kontonummer im Kopf haben“, sagt er leicht genervt und in einem Ton, der mich wie einen Vollidioten dastehen lässt.
„Klar“, sage ich verschmitzt und schreibe ihm IBAN und BIC aus dem Kopf auf den Auftrag. Kein weiteres Wort. Nur der Schlüssel kommt zurück. Ich bedanke mich für die schnelle Hilfe.
Nur 30 Minuten zu spät – trotz dieses Dilemmas. Ich stoße mit Orangensaft an (bin ja Sportler), lasse mich mit Preis, Medaille und Urkunde feiern, esse einen Happen und düse in die Heimat. Noch 3 Stunden bis zum Start. Das wird knapp. Angekommen, ziehe ich mich im Auto um. Laufe 10 km in 42 Minuten (mein persönlicher Rekord) und trinke im Ziel das leckerste Erdinger Alkoholfrei meines Lebens.